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Altes Wissen für heute...Wozu?

Seit einigen Jahren beschäftige ich mich sehr eingehend mit dem alten Wissen unserer keltischen Ahnen, aus unserer vorchristlichen und heidnisch-paganen Zeit. Und je tiefer ich eintauche, umso heilsamer nehme ich dies in meinem persönlichen Leben wahr.


Es gibt aus dieser alten Zeit keine schriftlichen Überlieferungen. Dennoch ist dieses Wissen erhalten geblieben. Zumindest Teile davon. Es ist heute auch noch immer abrufbar… in alten Sagen, Geschichten, Märchen. Genauso auch in vielen Bräuchen und Traditionen, die wir heute irrtümlicherweise oft dem Christentum als Ursprung zurechnen. Und sogar in alten Flur- und Ortsnamen ist viel an Informationen versteckt präsent.


Viele dieser alten Überlieferungen sind jedem von uns geläufig. Vielleicht wendest du es sogar selbst an, ohne den Ursprung dieser liebgewonnenen Traditionen zu kennen. Das Osterei, der Christbaum, der Adventkranz, die Sonnwendfeuer, die Weihnachtsbäckerei… all das wurzelt in der heidnischen Zeit. Alte Bräuche - vom Christentum einfach übernommen. Wie auch viele alte Kraftorte… heute stehen übrigens Kirchen drauf.


Denn… diese uralten Traditionen hätten niemals aus dem Leben der Menschen damals verbannt werden können. Nur durch das Integrieren, Übernehmen und langsame Anpassen dieser Kulte konnte das Christentum überhaupt Fuß fassen.


Was hat das jetzt aber mit HEUTE, mit 2023 zu tun? Hat dieses alte Zeug überhaupt Relevanz in unserer modernen Zeit? Berechtigte Frage…


Meine Antwort ist ein klares JA.


Werfen wir zuerst mal einen Blick auf die großen Themen HEUTE in unserem persönlichen Leben. Abseits aller globalen Krisen. Im eigenen Sein sind doch fast bei jedem das die großen Herausforderungen …

  • Schnellebigkeit und Hektik - ein ständiges Hinterherhetzen

  • Stress und Unruhe

  • permanente Dynamik, die eine Zentrierung verunmöglicht

  • Oberflächlichkeit in der Orientierung im Außen und der digitalen Welt

  • Abgekoppeltsein von der Natur - Isolation im eigenen Umfeld - Abgetrenntsein von sich selbst …

  • Wurzellosigkeit und ständiges Auf-der-Suche-Sein nach …? Ja, nach was?

Die permanente Expansion der ganzen Welt und des Menschen ist eine zivilisatorische Qual…


Immer mehr nach Außen führt diese Entwicklung. Grösser, weiter, stärker… Mehr. Immer rasanter. Bis es irgendwann zu einem Kollaps kommt. Einer Explosion. Oder einem Burn-Out. Dann nämlich, wenn der Faden zum Zentrum und zur eigenen Mitte abreißt. Unweigerlich. Doch die Linearität der Zeit treibt uns gnadenlos an. Wie die Peitsche des Sklaventreibers. Der uns anstandshalber noch diese Karotte an der Leine vor die Nase hält. „Wenn ich das erreicht habe, dann… ja dann!“ …Dann was?


Doch halt an dieser Stelle! Lass uns einen Schritt zurückgehen. Einfach einmal kurz stehen bleiben. Und das beginnt damit, dass du dir Zeit nimmst, diesen Text zu Ende zu lesen.


Von einem bin ich persönlich fest überzeugt: Es geht heute mehr denn je darum, den Faden zur eigenen Mitte ganz stabil zu halten. Gut zu spüren. Damit er nicht abreißen kann. Nie. Und wir nicht einem losen Ende hinterherlaufen müssen. Das wir womöglich nie mehr wieder unter Kontrolle bekommen. Nie wieder zu fassen kriegen. Das lose Ende, das uns irgendwann womöglich um die Ohren schnalzt.


Und genau da beginnt das alte Wissen unserer Ahnen zu greifen.


Das (vielleicht) gesündere Zeitverständnis unserer Ahnen


In der keltisch-heidnischen Kultur war das Verständnis von Zeit ein ganz anderes als heute. Heute (er)leben wir Zeit als lineare Abfolge von Minute zu Stunde zu Tag zu Jahr.


In damaliger Zeit wurde Zeit zirkular erlebt und gelebt. In Kreis- oder Spiralform, wie in einem Rad. Als Orientierung dienten die Gestirne. Nämlich der Lauf des Mondes und der Sonne. Und es waren die Natur und Mutter Erde, die über das Leben bestimmten. Über die Zeiten, zu denen gefeiert wurde, genauso wie über die, in denen es hart herging. Denen man mit Demut begegnete – denn das Leben war (und ist) keine Selbstverständlichkeit.


Jeder Moment war kostbar. Auf seine ganz besondere Art. Und so wurde auch jeder Moment entsprechend geehrt und gewürdigt: in Form von Arbeit, in Form von bewussten Ruhepausen. Aber auch in Form von Festen.


Und hiervon gab es 8 im Lauf des Jahres: 4 Sonnenfeste und 4 Mondfeste im Jahresrad, die den Rhythmus der Natur einfangen. Die den Moment bewusst machen. Dem Menschen an genau derjenigen Stelle Halt geben, an der er sich JETZT befindet. In diesem Moment. Im Jahresrad. Als Teil der Natur. Als Teil ihrer Rhythmen von Stirb und Werde.


Das JETZT


Genau hierhin muss unser Blick fallen. Denn das Leben spielt sich genau da ab. Nicht gestern. Nicht morgen. Nicht in der Pension und auch nicht auf Instagram oder sonstwo oder sonstwann da draußen. Wir haben nur diesen einen Moment, der genau jetzt da ist. Und dafür den Blick wieder zu schärfen - dabei hilft uns das alte Wissen um den Jahreskreis.


Der Kreis


Ein Kreis zentriert. Immer. Er hat eine Mitte. Ein Rad, das sich dreht, hat eine Nabe, die es hält und trägt. In dieser zentralen Mitte läuft alles in einem Punkt zusammen. Darin liegt die Essenz. Der Sinn des sich drehenden Rades.


In diesem Rad des Jahres finden sich alle Aspekte des Lebens und des Todes. Die gesamte Bandbreite des Stirb und Werde.


Das keltische Jahresrad


Beginnend mit der Dunkelheit zu SAMHAIN - am 31.10 bzw. zu Allerheiligen - beginnt das keltische Neujahr. Hier erfolgt die Befruchtung des neuen Jahres. Das alte Jahr übergibt an das neue. Und dieses neue Jahresrad, das neue Leben, wächst zuerst im Dunkeln. Im Bauch von Mutter Erde. Langsam entwickelt sich das neue Leben. Und am dunkelsten Tag des Jahres, am 21.12., wird es zur Wintersonnenwende zu YULE neu geboren. Welch Zufall! Das Jesuskind als Lichtbringer erblickt auch gerade zu dieser Zeit das Licht der Welt!


Das frische Leben, die Wiedergeburt der Sonne, entwickelt sich weiter. Die ersten Samen gehen auf - zu IMBOLC am 1.2. Die Hoffnung der Menschen auf wärmere Zeiten und eine neue Ernte erwacht zu neuem Leben. Das Rad des Jahres dreht sich weiter zur Frühlings-Tag- und-Nachtgleiche namens OSTARA. Es ist unser Frühlingsbeginn am 21.3. Die Namensgleichheit zu Ostern ist kein Zufall. Genauso wenig wie das Ei als Fruchtbarkeitssymbol, das wir zu Ostern verschenken und sogar in der Kirche weihen lassen. In diesem Fall war das Ei eindeutig vor der (christlichen) Henne da…


Das Leben ist am aufsteigenden Ast. Rund um BELTAINE wird das Fruchtbarkeitsfest schlechthin gefeiert. Wir erleben die Jugendfrische der Zeit mit dem wiederkehrenden Aufblühen der Natur und allen Lebens (einschließlich des unseren). Auch der Maibaum ist keine neue Erfindung… schau dir einmal dessen Symbolik genau an: die Spitze des vertikalen Baums durchdringt ein festlich geschmücktes Rad… ein uraltes Symbol. Aber nun doch recht weit vom Idealbild der christlichen Unschuld und Reinheit entfernt, oder? Es lädt ein, das Leben zu feiern. Dann, wenn die Zeit dafür da ist.


Der Höhepunkt und die Mitte des Lebens mit der größten Kraft und Energie gipfelt am Tag der Sommersonnenwende zu LITHA am 21.6. Der hellste Tag des Jahres wird mit einem großen Ritualfeuer zelebriert. Die Natur steht in voller Kraft und Blüte. Denn bald, zu LUGNASAD am 1.8., beginnt die Erntezeit. Einige Samen sind aufgegangen. Andere nicht … Das Überleben in der dunklen Jahreszeit hängt davon ab: Welche Ernte bringen wir ein? In einem Jahr, aber auch in unserem Leben. Wofür säst du? Und was? Erkennst du deine Ernte überhaupt? Gibt es welche? Kannst du dankbar sein dafür? Jetzt reift auch die Erkenntnis darüber, zu MABON am 21.9., zur Herbst-Tag- und Nachtgleiche. Der Tag, an dem Licht und Dunkel genau gleich lang sind. Es gibt kein „Hätte ich doch“ mehr. Denn MABON ist die Waage, auf der du deine Ernte betrachtest. In welche Richtung schlägt dein Pendel aus? Denn das Jahr ist nicht mehr lang. SAMHAIN als Schwellentag steht bevor. Dann nämlich übergibt das alte Jahr wieder an das neue Jahr das Szepter des Lebens. Und das Rad dreht sich weiter. Für die Natur auf jeden Fall. Hoffentlich auch in gesunder Art und Weise für dich… so möge sich dein Kreis schließen und die Spirale des Lebens sanft und milde weiter sein.


Wie du mit Ritualen dein Jahresrad für dich zirkular erleben kannst, erfährst du demnächst in meinem Blog. Stay tuned!




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