Die Spirale - Symbolbild der Mondgöttin

Vor dem Ganggrab in Newgrange liegt ein großer, zigarren-, bzw. walzenförmiger Stein. Darauf eingepunzt sind zahlreiche Dreiecke, Vierecke und Spiralen, alles Symbole der Versinnbildlichung der Weltsicht und Weltordnung der damaligen Kultur. Die Spirale spielt im jungsteinzeitlichen Megalithbau Newgrange eine zentrale Rolle. Zur Wintersonnenwende fallen die ersten Sonnenstrahlen der aufgehenden Sonne zwanzig Meter durch einen leicht mäandernden schmalen Gang in die kreuzförmige Grabkammer und treffen dort direkt auf das ``Triskel``, die dreifache Spirale, die dort in eine Steinplatte eingearbeitet wurde.

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Spiralsymbole vor dem Ganggrab in Newgrange

Archaisches Symbol

Die Spirale ist ein uraltes Symbol der Menschheit. Spiralen gab es auf allen Kontinenten bei unterschiedlichen Kulturen. Aus dem einfachen Radkreuz entstand das Muster des Linienkreuzes mit mehreren konzentrischen Kreisen und einer Schale im Mittelpunkt. Daraus entwickelte sich im Lauf der Zeit die Spirale.


Die Spirale nimmt die Symbolik des Kreises auf, der für das Prinzip des ewigen Zyklus von Werden, Sein und Vergehen steht. Die Spirale präzisiert dieses Prinzip in der Art, dass der Weg nicht zum Anfang zurückführt, sondern in Windungen zu einem Mittelpunkt verläuft. Doppelläufige Spiralen rollen sich in mehreren Windungen linksherum zum Mittelpunkt auf, um sich dann gegenläufig, also rechtsherum, wieder nach außen hin abzurollen.


Die gegenläufige Spirale und die Mondgöttin

Triskele - Newgrange | Blog | Raum und Mensch - Schule für Geomantie und Radiästhesie
Triskele - Newgrange

Um den ursprünglichen Sinngehalt und Zweck der Spirale zu verstehen, müssen wir uns mit der Weltsicht der Kulturen auseinandersetzen, die die Spirale entwickelt haben. Das Symbol der Spirale wurde in der matriarchalen Epoche entwickelt, einer Zeit, als die Menschen eine große Göttin verehrten. Die Menschen betrachteten sich als gleichberechtigten Teil des komischen Geschehens.


Die gegenläufige Spirale ist eine Nachbildung des Mondlaufes. Während eines Mondmonats bewegt sich der Mond scheinbar spiralförmig linksherum um die Erde, bis er als Vollmond im Osten, gegenüber der Sonne aufgeht, um sich dann rechtsherum abzurollen und als Neumond in Sonnennähe unterzugehen.


Die Mondgöttin steht als Tochter der kosmischen Nacht für das gesamte Universum und zeigt in ihren drei Phasen das Gesetz des großen ewigen Zyklus von Werden, Sein und Vergehen. Die Mondgöttin war erste Zeitgeberin und bestimmte im komplexen Zusammenspiel mit den anderen Planeten und Gestirnen das Wetter, lenkte das Meer in Gezeiten, lies Flüsse steigen und sendete die Überschwemmungen, die das Land fruchtbar machten. Die Mondgöttin war den Menschen Spiegel der Zeit, des Lebens, der Welt, des Kosmos. Sie war die große Himmelsmutter und genoss in Europa und auf der ganzen Welt höchste Verehrung.


Die Menschen fühlten sich der Mondgöttin ausgeliefert. Das ergab ein Gefühl der Abhängigkeit aber auch der Verbundenheit bzw. der Verpflichtung. Die Verbundenheit und Abhängigkeit erforderten von den Menschen ein bestimmtes Verhalten und bestimmte Handlungen, um diese Verbundenheit stetig zu bestätigen und zu erneuern und die Mondgöttin in ihrem Wirken zu unterstützen.


Die Spirale - nachgezeichneter Tanz der Mondpriesterinnen

Die Menschen fühlten sich der Mondgöttin ausgeliefert. Das ergab ein Gefühl der Abhängigkeit aber auch der Verbundenheit bzw. der Verpflichtung. Die Verbundenheit und Abhängigkeit erforderten von den Menschen ein bestimmtes Verhalten und bestimmte Handlungen, um diese Verbundenheit stetig zu bestätigen und zu erneuern und die Mondgöttin in ihrem Wirken zu unterstützen.


Eine der wichtigsten Handlungen zu Ehren der Mondgöttin war der kultische Tanz. Die Mondpriesterinnen tanzten für die „Weiße Göttin“. Der Tanz bildete die komplexen Bewegungen des Mondes und der Planeten nach. So konnten sie sich mit dem göttlichen Universum in Einklang bringen. Die Harmonie zwischen dem Makrokosmos des Universums und dem Mikrokosmos der Erde bzw. der Menschenwelt war Voraussetzung, damit die kosmische Ordnung bestehen bleibt und nichts und niemand aus dem ewigen Zyklus von Werden, Sein und Vergehen herausfallen konnte.


Sie tanzten die gegenläufige Mondspirale - linksherum ins Zentrum und rechtsherum wieder zurück. Je nach Thema, das der Zyklus bzw. das Jahreskreisfest vorgab, tanzten die Priesterinnen von der Dunkelheit ins Licht und brachten das Licht zurück in die Menschenwelt, oder sie tanzten vom Licht in die Dunkelheit und brachten die Dunkelheit aus der Mitte auf die Erde zurück. Königin und Heroskönig vollzogen in der Mitte die heilige Hochzeit und der Heroskönig starb hier zur entsprechenden Zeit seinen rituellen Tod, um die Jenseitsreise antreten zu können.


Die mystische Spirale ist ein Abbild der Mondgöttin mit ihrer doppelten Kraft und Symbol für die große kosmische Ordnung. Von der Dunkelheit zum Licht, vom Tod zum Leben und umgekehrt vom Leben zum Tod, vom Hellen zum Dunklen. Tod an sich, als definitives Ende, gab es nicht. Er war nur die Mitte eines Sein-Zyklus. Er war Umwandlung und Transformation in ein neues Leben. Die Spiralen waren die nachgeformten Tänze der Mondpriesterinnen.


Spirale und Labyrinth 

Kretisches Labyrinth - Silbermünze | Blog | Raum und Mensch - Schule für Geomantie und Radiästhesie
Kretisches Labyrinth auf einer Silbermünze

Unzählige Spiralsymbole finden sich über die ganze Welt verteilt. Sie formen Megalithanlagen, schmücken Steine, Keramik und Schmuck. Die Spirale ist eines der am weitesten verbreiteten archaischen Symbole auf der ganzen Welt. Die doppelläufige Spirale ist auch das erste und urtümliche Labyrinth. Das volle und komplexe Labyrinth entsteht aus einer Kombination von vier dieser ineinandergeschlungenen Spiralen, die in einem großen Ring miteinander verbunden wurden. Jeweils eine wurde zu einem der vier großen Jahreskreisfeste getanzt.


Von den vielen im Mittelmeerraum verbreiteten Labyrinthe ist jenes auf dem großen inneren Platz der Palastanlage von Knossos auf Kreta das berühmteste. In Mitteleuropa sind einige solcher als Gralslabyrinthe oder Trojaburgen bezeichnete Labyrinthe - zum Teil - unzerstört erhalten.


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