Die Wintersonnenwende - Der Übergang vom Vergehen zum Werden

Alles, somit auch wir Menschen, wird getragen vom ewigen Zyklus Werden – Sein – Vergehen. Nichts und niemand kann aus diesem großen Kreislauf herausfallen und verloren gehen. Die Gesetzmäßigkeiten des Kosmos, der Kreislauf der Natur, der Rhythmus des Jahres bestimmen unser Sein, geben Orientierung und Halt. So wie das Sterben nur ein Durchgang in eine neue, feinstoffliche bzw. geistige Seinsebene ist, so ist auch die Geburt, ein Durchgang in die materielle Seinswelt. So ist alles Vergehen gleichzeitig ein Werden in eine andere, neue Seinsebene.

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Wintersonnenwende und die Zeit um Mittwinter

Die Wintersonnenwende ist ein Festpunkt entlang dieses ewigen Zyklus. Ein Übergangspunkt, eine Schwellensituation. Wir sind am Übergang vom Vergehen zum neuen Werden. Der Jahrekreis, der solare Zyklus, hat sein Ende erreicht und gleichzeitig seinen Anfang gefunden. Von der Periode des Vergehens treten wir jetzt in die Periode des Werdens ein. Von der Sommersonnenwende bis heute sind die Tage immer kürzer geworden. Ab jetzt werden sie wieder länger. Die Dunkle Zeit ist zu Ende, die Helle Zeit beginnt. Das Licht wird neu geboren, das Leben kommt zurück. Die Göttin in ihrem schwarzen Aspekt regeneriert sich aus sich selbst heraus und zeigt sich jetzt wieder in ihrem weißen Aspekt. Es ist die Zeit der Wiederkehr, des Neubeginns, des weißen Blatt Papiers.

Die Rauhnächte

Hand in Hand mit der Wintersonnenwende gehen die Rauhnächte. Als Rauhnächte erleben wir den Mittwinter, die Zeit von der Wintersonnenwende am 21.12. bis zur Perchtnacht vom 5. auf den 6. Januar. Die Rauhnächte sind die Zeit des Übergangs vom Vergehen zum Werden. Sie führen die Menschen allmählich hinüber in den neuen Jahres- bzw. Lebenskreis. Es ist auch die Zeit der „Zwölften“. Das sind jene zwölf Tage, um die die dreizehn Mondmonate ergänzt werden müssen, damit das Mondjahr mit dem Sonnenjahr im Einklang steht. Es ist in gewissem Sinn also auch eine „Nichtzeit“, eine ungewisse, eine dunkle Zeit.


Das Samenkorn ist symbolisch bereits gesät. Im Samenkorn ist alles enthalten was kommen wird. Deshalb war die Zeit der Wintersonnenwende und die Zeit der Rauhnächte gekennzeichnet dulärmendrgangsrituale, Orakel und Schicksalsbefragungen, Gabenspenden für Schutz und Segen sowie durch Fruchtbarkeitsrituale Menschen, Tiere und Felder betreffend.


Die Frau Percht

Das Schicksal wird bestimmt durch die Frau Percht, die Schicksalsfrau, die große Ahnfrau, die den Zwölften vorsteht. In dieser Zeit des Übergangs teilt sie den Menschen den Schicksalsfaden für den kommenden Lebenskreis von neuem zu.


Im Brauchtum kommt sie heute noch durch die Perchtenläufe - aber bereits stark verändert - zu uns. Sie wurde dämonisiert und zur verbündeten des Teufels, die während der Rauhnächte - lärmend und sich wild gebärdend - Frauen, Männer und Kinder durch die Gassen der Dörfer und Städte jagt und mit Ruten bedroht.


In vorchristlichen Zeiten war es die weiße Göttin, die mit Hasel- oder Weidenruten die Fruchtbarkeit an Haus und Hof brachte. Hasel- und Weidenruten sind jene Pflanzen die im Frühling mit als erste austreiben und im damaligen Analogiedenken für die ganze Kraft der Fruchtbarkeit standen. Wenn nun die weiße Göttin mit der Hasel- oder Weidenrute Frauen, Tiere oder auch Felder und Obstbäume sanft berührte, wurde die Fruchtbarkeit auf diese Frauen, Tiere bzw. Felder übertragen.

Die weiße Percht mit ihrem Gefolge | Blog | Raum und Mensch - Schule für Geomantie und Radiästhesie
Die weiße Percht, Göttin des Anfang, mit ihrem Gefolge

In manchen Sagen erscheint die Percht heute noch in der Gestalt einer geheimnisvollen weißen Frau, die mit ihrem Gefolge, welches manchmal als Heimchen, manchmal auch als arme Seelen bezeichnet wurde, von der anderen Seite des Flusses zu den Menschen herüberkommt. Es ist die weiße Göttin des Anfangs, die Schöpferin des Lebens die aus der schwarzen Göttin hervorgeht (von der anderen Seite des Flusses – dem Reich der Frau Holle).

Die Farbe weiß trägt alle Farben, das gesamte Farbspektrum und somit auch alle Potentiale in sich und ist deshalb auch die Farbe des Frühlings. Die Heimchen bzw. ihre Gefolge stehen bzw. steht symbolisch für die gesamte Vegetation, ja für das gesamte neue Leben, das aus der Anderswelt jetzt wieder zurück kommt auf die Erde. Dort, in der Anderswelt wirkte die schwarze Göttin bis zur Wintersonnenwende mit ihren Wandlungs- und Regenerationskräften, um dann als weiße Göttin alles verjüngt auf die Erde zurückzuschicken.


Auch die Wintersonnenwende ist nur ein Teil, ein Aspekt des Jahreskreises, des großen und ewigen Zyklus vom Werden im Frühling, vom Sein im Sommer und vom Vergehen im Herbst/Winter - ohne Anfang und ohne Ende. Eins geht unentwegt ins Andere über und wir alle sind in diesen ewigen kosmischen Kreislauf behütet und geschützt eingebettet - auf nichts und niemanden wird je vergessen.


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