Trockensteinmauer-Aktivitäten in Österreich

International gut vernetzt und national als UNESCO immaterielles Kulturerbe an-erkannt


Wie in vielen „fortschrittlichen“ Ländern der Erde, verschwand das Handwerk des Trockensteinmauerns in Österreich seit den 50er-Jahren zunehmend. Wenige alte Winzer im Terrassenweinbau der Wachau beherrschten das echte Trockensteinmauern noch, bevor ab 2003 mit Kursen und Projekten ein Aufschwung begann, der auch 20 Jahre später noch zunimmt.


Diese Renaissance des Trockensteinmauerns in Österreich ist eng mit der Schweiz verbunden. Sie begann mit dem EU-Projekt „Hercule“, wo sich Weinbauschulen, Weinbauregionen und das Baugewerbe aus Frankreich, Portugal, der Schweiz und Österreich fanden, um das Wissen für die Weingartenmauern zu erhalten und an die junge Generation weiterzugeben.


Bis jetzt fanden in Österreich 225 Schulungsmaßnahmen für Trockensteinmauern mit mehr als 2.650 Teilnehmern statt. Die Zahl zeigt das große Interesse an der ältesten menschlichen Bauweise, nicht aber die Vielfalt. Während die Bildungsmaßnahmen in der Schweiz, so wie in Portugal und jetzt auch in Italien, in Modulen stattfinden, gab es in Österreich immer 3tägige Praxiskurse und seit 2007 einen 14tägigen Zertifikatslehrgang. Die dreitägigen Kurse bewährten sich insofern, als sich Winzer, Gartengestalter und Private von Donnerstag bis Samstag Zeit nehmen. Andererseits lehnt man seitens der Trockensteinmaurerschule eintägige Schnupperkurse entschieden ab: das Interesse wäre groß, die Qualität dagegen katastrophal. Wer möchte tatsächlich Leute zu dem falschen Glauben verleiten, sie könnten nach ein paar Stunden von Fundament bis Mauerkrone nachhaltig und stabil bauen - in einem Handwerk, das jahrelange Praxis und viel Übung erfordert?


Mit dem ersten 14tägigen Lehrgang 2007 begann auch die Kühnheit der österreichischen Steinmaurer: Kursobjekt war eine unterirdische Steinhütte, die dann mit Kragkuppeldach versehen wurde und wo spätere Gruppen am Gewölbe-Abgang aus Stein arbeiteten. 2008 folgte die nächste Hütte aus rund 80 Tonnen Stein, bisher baute man sechs Steinhütten.


Seit 2015 ist das Stein & Wein-Festival ein internationaler Höhepunkt für Steinmaurer.


Trainer sind beim „Stein & Wein“ meist Freunde aus Irland und Großbritannien, sowie aus USA und Kanada. Teilgenommen haben bisher Leute aus über 10 Nationen. Das Stein & Wein steht jedes Jahr für einen Bauschwerpunkt. So wurden neben unterschiedlichen Mauertypen bisher ein irischer „Beehive“, eine Steinbrücke, ein Steinpentagon, Steinnischen für Bienenkörbe, Feueressen und Pyramiden(stümpfe) erbaut. Beim Stein & Wein 2023 entsteht ein Steinturm.

Besondere Objekte, einerseits im Rahmen eines Kunstfestivals, andererseits als Projekt eines Dorferneuerungsvereins bei einem Lehrgang, waren der Bau einer begehbaren Dreifachspirale (rund 85 Tonnen Stein in über 700 Arbeitsstunden) und die Gestaltung eines Kirchenbergs mit Terrassen, Stiegen, Nischen und Gewölben.

Optisch rustikal, dafür umso geschichtsträchtiger geht es jedes Jahr am Pfingstwochenende beim Freiwilligeneinsatz auf der Alm zu. Am Bosruck in Oberösterreich werden Teile eines ursprünglich 700 Meter langen und 700 Jahre alten Steinhags wiedererrichtet. Enger zusammengearbeitet kann nicht werden: die bis zu 14 freiwilligen Steinmaurer nächtigen im Matratzenlager auf einer Almhütte ohne Strom, dafür aber mit Ofengemütlichkeit und Geselligkeit.

Eine enge Steinfreundschaft besteht dank Trainer Helmut Schieder zwischen Irland und Österreich. Beim Workshop auf der Aran-Insel Inis Oirr waren im September 20 Österreicher – Kursabsolventen, Gartenbaufirmen, Trainer der TSM-Schule und ein österreichisches Filmteam.


Während die Zukunftsthemen der Trockensteinmaurerschule Österreich mit Kindern und Jugendlichen zur Bewusstseinsbildung, die Vernetzung mit Berufsbildern und die geografische Verbreitung sind, freuen sich die Akteure derzeit über die 2021 erfolgte Anerkennung als immaterielles Kulturerbe durch die UNESCO auf nationaler Ebene.


Natürlich: 2023 werden in Österreich 17 dreitägige Kurse angeboten.

Infos: rainer.vogler@wbs-krems.at, 0676 / 59 57 626


TIPP:

Kompetenzzentrum Krems

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Tel: ++43 (0)2732 / 87 516

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