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Vom Wert alter Bäume



Woran denken Sie beim Anblick dieser wunderschönen alten Linde? Wie alt die wohl sein mag? Oder gehören Sie eher zu den Romantikern, die sich gerne vorstellen, was dieses Naturdenkmal alles erzählen könnte? Vielleicht von romantischen sonntäglichen Landpartien des Biedermeiers, von Tanzfesten oder schaurigen Gerichtsverhandlungen des Mittelalters? Letztere fanden nachweislich unter den noch zu findenden „tausendjährigen“ Gerichtseichen statt. Weitaus gemütlicher ging es unter den noch erhaltenen alten Lindenbäumen zu. In ihrem Schutz wurde getanzt („Tanzlinden“) und Feste gefeiert, sodass die Linde zu Recht auch als Gesellschaftsbaum bezeichnet wird. Unzählige Gasthäuser „Zur Linde“ sowie ihre Rolle als obligate Begleitbäume von historischen Marterln können dies bestätigen.


Großbäume und der Klimawandel


In den letzten Jahren haben vor allem große Altbäume zusätzlich zu ihrem historischen und landschaftsprägenden Wert, zunehmend große Bedeutung bei der Bewältigung des Klimawandels erlangt.                                                   

 

Mit ihren riesigen Blattmassen – eine Zählung an einer 150 Jahre alten Buche hat über 800.000 Einzelblätter ergeben – können sie mittels Photosynthese der Luft nicht nur das klimaschädigende Kohlendioxid entziehen, sondern diese auch gleichzeitig mit Sauerstoff anreichern.


Haben Sie gewusst, dass Großbäume pro Tag sowohl bis zu 24 kg Kohlendioxid aufnehmen, im Holz unschädlich speichern als auch gleichzeitig 11.000 Liter des lebensnotwendigen Sauerstoffes produzieren und damit 10 Menschen versorgen können?


Angenehmer Schatten

Deutlich spürbarer wird ihre Leistung jedoch bei der Reduzierung der zum Teil bereits katastrophalen Auswirkungen der Klimaänderung in Form von Wetterextremen. Mit gutem Grund bezeichnen Klimaforscher Bäume als natürliche Klimaanlagen. An Hitzetagen weiß es mittlerweile jedes Lebewesen zu schätzen, dass der Schatten von Bäumen deutlich angenehmer ist als jener aller Arten von technischen Schattenspendern wie zum Beispiel von Sonnenschirmen, Pergolen oder auch Hausmauern. Nicht nur das sonnenabschirmende und doch luftdurchlässige Dach der Blätter, sondern auch deren Verdunstungsleistung mit bis zu 500 Liter Wasser pro Tag durch die Spaltöffnungen ihrer Blätter, können die Temperatur in ihrer unmittelbaren Umgebung je nach Baumart um bis zu 8° Celsius absenken. Damit werden sie bei allen Bemühungen, verbaute Bereiche, vor allem natürlich Großstädte, lebenswert zu erhalten, unverzichtbar.


Regenwassermanagement


Eine weitere problematische Auswirkung des Klimawandels sind zunehmend die für Europa ungewohnten, zum Teil monsunartigen Starkniederschläge. Mit ihrem Rückhaltevermögen über Krone und Wurzeln können Großbäume den sofortigen Abfluss der Niederschlagsmengen in das Kanalsystem von Kommunen sowie in Bäche und Flüsse in der freien Landschaft erfolgreich verzögern und damit die Gefahr von Hochwässern, Überschwemmungen oder Vermurungen nachhaltig vermindern. Bäume sind daher mittlerweile zu Recht wichtige Helfer im Regenwassermanagement von Stadtplanern und Landschaftspflegern.

 

Mit Hilfe der „Schwammstadtmethode“ sollen bei Neupflanzungen möglichst große Niederschlagsmengen in Hohlräume des Substrats der Wurzelräume geleitet und dort gespeichert werden. Damit können nicht nur die Kanalsysteme entlastet, sondern auch eine ausreichende Feuchtigkeitsversorgung der Wurzeln sogar während langanhaltender Trockenperioden gewährleistet werden. Für Groß- und Altbäume könnten allerdings weiter zunehmende Hitze- und Trockenperioden sowie sinkende Grundwasserspiegel zu einem Existenzproblem werden. Für ihre Erhaltung wären daher dringend geeignete Bewässerungsstrategien zu erarbeiten und anzuwenden.


Ökologischer Wert von Altbäumen


Mit zunehmendem Alter und steigendem Totholzanteil bieten Bäume immer mehr Gelegenheit für vernetzte Lebensgemeinschaften von Mikroorganismen, Pilzen, Insekten, Kleinsäugern, Vögeln u . v. a.. In Mitteleuropa sind zum Beispiel über 1.300 verschiedene Käferarten sowie 600 Großpilzarten vom Lebensraum Altbaum abhängig. Besonders stark besiedelte Altbäume – sie werden auch Biotopbäume genannt – leisten daher einen unverzichtbaren Beitrag für den Erhalt der Artenvielfalt.


Foto: Rosa Schwarzl





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