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Die Ausrichtung von Kirchen und Kapellen im Vergleich mit dem Patrozinium und dem Erbauungsjahr

Zunächst möchte ich mich kurz vorstellen: mein Name ist Michael Gruber, ich bin in Oberstdorf (Oberallgäu) geboren und aufgewachsen.

Vor über 30 Jahren hatte ich das erste Mal abgewinkelt gebogene Schweißdrähte in der Hand, um Wasser- und auch Stromleitungen zu finden. Dies hat gut funktioniert.

Damals wusste ich noch nichts über Geomantie und Radiaesthesie.

Einige Jahre später habe ich bei einem guten Bekannten, der Rutengeher war, das erste Mal Kontakt mit einer Kunststoffrute und so stieg mein Interesse, diese Fähigkeit zu erlernen. Meine Ausbildung in der Geomantie und Radiaesthesie durfte ich bei Susanne und Thomas Schury, sowie Ewald Kalteiss machen.

So manche Weiterbildungen folgten und mittlerweile führe ich eigene Exkursionen durch. Darüber hinaus biete ich Haus- und Schlafplatzuntersuchungen an, diverse Abhandlungen und Vorträge runden das Ganze ab.

Während der zahlreichen Exkursionen ist immer wieder mal der Besuch einer Kirche oder Kapelle sehr interessant:

  • Was gibt es dort zu muten?

  • Wo ist der Platz mit der höchsten Energie?

  • Liegen Geomantien vor?

  • Spielt das Thema Wasser eine Rolle?

Nicht weniger interessant ist die Ausrichtung des Gebäudes. Landläufig kennen wir den Ausdruck, dass Kirchen und Kapellen „geostet“ sind, also nach Osten ausgerichtet wurden. Dies ist auch fast immer der Fall, aber eben nur „fast“. Wo liegen die Unterschiede?

Kirchen und Kapellen wurden oftmals bewusst an besonderen Plätzen erbaut. Waren es die „guten Plätze“ aus vorchristlicher Zeit? War die Standortwahl willkürlich?

Ausgerüstet mit Kompass begann die „Sammlung“ über die Ausrichtung von verschiedenen Kirchen und Kapellen in meiner Umgebung. Daraus ergaben sich doch markante Unterschiede in der Ausrichtung. So begann die genauere Untersuchung der Ergebnisse (und auch ein nicht erwarteter großer Aufwand):

22 Kirchen, 87 Kapellen, 109 Bauwerke insgesamt.

Deren Erbauungsjahre liegen zwischen 1126 und 1991 n. Chr.

Um genaue Werte zu erhalten, wurde die Gebäudeausrichtung mit Daten vom Vermessungs-amt abgeglichen, die Winkelausrichtung digital bestimmt und in Tabellenform dokumentiert.

Dabei wird diese Nordrichtung als „Gitter Nord“ bezeichnet. Die Abweichung zu geografisch Nord kann dabei vernachlässigt werden. Die Abweichung zu magnetisch Nord hingegen ändert sich ständig – seit den 90er Jahren ca. 50km pro Jahr! Dies wird als Deklination bezeichnet.


Die Ausrichtung der kirchlichen Gebäude wurde vermutlich durch die Beobachtung der Sterne, dem Sonnenlauf oder später vielleicht auch mittels Kompass bestimmt. Dadurch sind entsprechende Abweichungen in der Himmelsrichtung entstanden – Osten ist somit nicht immer Osten.

Durch das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ in Potsdam konnte ich die Magnetfeldwerte für Sonthofen (Oberallgäu) für den Zeitraum 1000 bis 2000 n. Chr. beziehen und die Deklination daraus ablesen.

Der Nordpol wandert nicht mehr – er rennt!


Beispielhaft sei meine Vorgehensweise an der Schöllanger Burgkirche erklärt.

Die Schöllanger Burgkirche war unter anderem auch Ziel meiner radiaesthetischen Exkursion im Jahr 2021.

Diese wurde im Jahr 1351 erbaut und gehörte zu einer damaligen Burganlage. Das Patrozinium ist St. Michael (29. September), die Ausrichtung liegt bei 99,74°.

Die Deklination im Erbauungsjahr lag bei 7,20°


Betrachten wir nun den Stand der Sonne bzw. den Sonnenlauf unter Einbeziehung des Patroziniums und des Erbauungsjahres: wir machen eine Zeitreise in das Jahr 1351, und zwar reisen wir genau auf das Datum 29.09.1351 und begeben uns zur Schöllanger Burgkirche. Dies ist möglich durch eine App „Planit Pro“, mit der man ein beliebiges Datum und den Ort dazu eingeben kann und somit den Sonnenlauf betrachten kann. Das wird in der Fotografie benutzt, um die besten Lichtverhältnisse für eine tolle Aufnahme „planen“ zu können.

Für die Schöllanger Burgkirche ergeben sich für den 29.09.1351 folgende Werte:

Azimut 94,9°

Sonnenaufgang 06:13 Uhr

Sonnenuntergang 18:03 Uhr

Sonne auf Altar ab ca. 10:30 Uhr!

Hier taucht nun eine neue Erkenntnis auf.

Zu welchem Zeitpunkt scheint die Sonne

auf den Altar? (Fenster natürlich vorausgesetzt)


Weitere Unterstützung erhielt ich durch das Buch (über 1100 Seiten):

Die Kunstdenkmäler des Landkreises Sonthofen von Michael Petzet aus dem Jahr 1964, welches nur noch antiquarisch zu bekommen ist.

Darin sind beinahe alle Kirchen, Kapellen usw. beschrieben. Aus diesem Buch konnte ich das Erbauungsjahr und auch das Patrozinium, sowie weitere interessante Angaben entnehmen.

Die Ergebnisse aus meiner Dokumentation sind jedoch überaus unterschiedlich. Bei kaum einem Gebäude lässt sich sicher eine Ostung ableiten.

Naheliegender ist jedoch, dass das Patrozinium eine Rolle spielt: nimmt man diesen Tag – bei Nikolaus den 6. Dezember – und bestimmt für diesen Tag (auch im Erbauungsjahr) den Sonnenaufgangspunkt, so scheint in aller Regel die Sonne im Tagesverlauf (sehr oft vormittags) schräg durch ein Fenster auf den Altar!

Aufgrund der landschaftlichen Gegebenheiten (Berge etc.) gibt es natürlich Abweichungen in der Ausrichtung.

Somit erscheint mir die Ausrichtung im Zusammenhang mit dem Patrozinium am naheliegendsten. Allerdings wurde das Patrozinium auch gewechselt – bei meiner Dokumentation liegt das Patrozinium im Erbauungsjahr zugrunde.

Der Standort einer Kirche oder Kapelle wurde oft geomantisch bestimmt. Durch radiaesthetische Maßnahmen wurden immer wieder Qualitäten in das Gebäude gebracht. Als Beispiel seien die Planetenlinien erwähnt.

Es gibt allerdings auch Kirchen oder Kapellen, bei denen sich kein Zusammenhang feststellen ließ. Da gab das Grundstück die Ausrichtung vor. Oder auch die exponierte Lage auf einem Felsen.

In wie weit meine Dokumentation repräsentativ genug ist, sei dahingestellt, jedoch ergibt sich daraus eine Übersicht aus meiner Region und lässt mögliche Zusammenhänge deuten. Meiner Meinung nach dürfte sich das Ergebnis auf andere Regionen projizieren und somit den Zusammenhang mit dem Sonnenlauf und der Ausrichtung eher festigen.

Wie so oft bei derartigen Untersuchungen kann der Satz ausgesprochen werden:

„Es besteht Forschungsbedarf!“








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