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Lichtverschmutzung – das Ende der Nacht?

Lichtverschmutzung. Bitte was?

 

Ja tatsächlich, das Wort heißt Lichtverschmutzung.

 

Als ich es das erste Mal gelesen habe, dachte ich auch, was bedeutet das? Ist das ein Scherz? Bis ich mich genauer damit befasste und über das Erfahrene entsetzt war. Doch zuerst ein paar Betrachtungen über das Licht und den Menschen überhaupt. Mensch und

Licht, das ist so alt wie die Entstehung des Menschen. Von Anbeginn an lebte der Mensch in einem Wechsel von hell und dunkel, der sich Tag und Nacht nennt.

 

Ich nehme an, das ist sogar in unseren Genen programmiert und beeinflusst uns auch heute noch stärker, als wir vielleicht wahrhaben wollen. Am Anfang hielten die Menschen Tag und Nacht für Götter. Die Nacht war weiblich und der Tag war männlich. Man verehrte sie, brachte ihnen, speziell dem Sonnengott, Opfer dar, um ihn gütlich zu stimmen, damit er doch jeden Tag wieder aufgehen würde.

 

Vor 500.000 Jahren scheint der Peking-Mensch die ersten Lagerfeuer entfacht zu haben. Dann gab es Fackeln, später Kienspan und Laternen. Die erste Beleuchtung in Wien fand 1688 statt. In mondhellen Nächten wurde nicht beleuchtet. Man bewegte sich mit Laternen oder professionellen Laternenträgern fort. 1838 ging es dann los, da wurde das Gaslicht in Wien eingeführt. In Berlin soll es heute noch Gaslaternen geben. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam dann elektrisches Licht. Von da an ging es explosionsartig los mit der Ausbreitung des Lichts. Wir Menschen aber haben seit Urzeiten unsere innere Uhr, die unseren Tag- und Nacht-Rhythmus steuert. Diesen stören wir aber nach besten Kräften.

 

1962 ließ sich ein Forscher 60 Tage lang in einer Höhle in Südfrankreich einsperren, um zu testen, was passiert, wenn man in völliger Dunkelheit lebt. Er hatte Essen und eine Stirnlampe mit. Dieser Mann, Michael Siffre, folgte im Großen und Ganzen dem Tag- und Nacht-Rhythmus, nur dauerte er bei ihm 24,5 Stunden. Als seine Forscherkollegen ihn nach 60 Tagen holen wollten, meinte er, es seien doch erst 35 Tage vergangen. Sein Zeitempfinden war geschrumpft.

 

Später entdeckte man beim Menschen ein etwa Reiskern-großes Hirngebiet, zwei bis drei Zentimeter hinter der Nasenwurzel, über der Kreuzungsstelle der Sehnerven, das diesen Rhythmus steuert. Noch später entdeckte man, dass das Licht über die Netzhaut den Rhythmus eicht, auch bei geschlossenen Augen. Es sind Blauanteile des Lichtes, die dabei am stärksten wirken. Daher sollte man mit blauem Licht besonders vorsichtig umgehen, speziell bei Schichtarbeitern, die davon am meisten betroffen sind. Eine interessante Feststellung ist auch, wenn man Menschen blauem Licht aussetzt, zum Beispiel blauen Computerbildschirmen, arbeiteten sie effizienter, sind besser gelaunt, haben mehr Konzentration und schlafen besser. Aber Vorsicht, wer abends zu lange blau schaut unterdrückt seine Melatonin-Produktion und stört damit seinen Schlaf. Das heißt also, man muss Licht wie ein Medikament dosieren. Auch vor LED Bildschirmen ist die geistige Leistung höher als vor nicht LED Bildschirmen. Wenn man nun eine Karte der Nachterde betrachtet, kann man eigentlich alle Kontinente gut erkennen. Afrika und Brasilien sind vielleicht ein bisschen dunkler, aber die Ostküste Amerikas und Europa leuchten am hellsten.

 

Wie, wo, was, wann, wer ist denn nun am meisten davon betroffen? Große Observatorien,

selbst Mount Palomar, mussten einen großen Teil ihrer Forschungsarbeit einstellen, dies schon vor längerer Zeit. Man zog sich nach Chile, Hawaii oder Teneriffa zurück, wo es noch einen tollen Sternenhimmel gibt.

 

Insekten gehören zu den größten Verlierern durch Lichtverschmutzung. Zu Millionen findet man sie tot unter Straßenlaternen oder gefangen an den Gehäusen von Lampen, wo sie schließlich auch verenden. Sie nutzen das Licht ja für die Synchronisierung ihrer Lebensfunktionen, wie Orientierung, Jagd oder Fortpflanzung. Zum Beispiel Insekten, die im Wasser leben und nur zum Laichen heraufkommen, verfliegen sich auf Grund der Uferbeleuchtungen und verenden.

 

Dadurch gehen Milliarden Eier zugrunde. Da diese Insekten nur im sauberen Wasser leben, ist man sich sicher über die Auswirkungen auf das Ökosystem noch nicht bewusst. In verschiedenen Insektenfallstudien wird getestet, welche Art der Lichtquelle die meisten und die wenigsten Insekten anlockt, um die Qualität der Lampen für die Zukunft zu bestimmen.

 

Man darf nicht vergessen, wie viele Insekten eine Bestäubungsfunktion ausüben, nicht nur Bienen und Hummeln. Wie sich das auf die Landwirtschaft auswirken wird, kann man nur erahnen. Die Nachtfalterpopulation ist zum Beispiel zwischen 91 – 98 % zurückgegangen. Da der Tourismus sich heute bis in entlegenste Berggebiete ausbreitet, wird der Lebensraum dieser Tiere extrem gestört. Konnte man früher bis zu 50.000 Falter in einer Falle fangen, sind es heute nur mehr 23.

 

Nicht viel anders ergeht es den armen Zugvögeln, die jedes Jahr zu 100.000 Opfer von

Brücken, Hochhäusern, Fernsehtürmen, Sendemasten und Leuchttürmen werden. Dieses Phänomen ist in Europa noch sehr wenig erforscht. In Amerika hat man in Wisconsin an einem einzigen Fernsehturm, 305 m hoch, 120.000 tote Vögel aus 123 Arten gefunden. In den USA kommen ca. 40 Millionen Vögel pro Jahr bei Kollisionen um. Zahlen, die einem wirklich die Haare zu Berge stehen lassen. Einige Arten wie Wanderfalken, haben sich darauf spezialisiert, verirrte und verwirrte Vögel zu fangen. In Europa, zum Beispiel, schaltet ein großes deutsches Chemieunternehmen schon lange während der  Zugvogelzeit seine Leuchtreklame ab. Etwas, das vielleicht auch Städte wie Toronto, wo es besonders viele Opfer gibt, bedenken sollten. In den Städten bewirkt das Licht, dass die dort lebenden Singvögel immer früher mit ihren Balzgesängen beginnen und diese auch immer länger über die Sommersonnenwende hinaus ausdehnen. Die so früher entstandenen Jungen sterben, da es noch zu kalt ist und es keine Insekten für sie gibt. Die beste Hilfe für die Tiere lautet daher: Licht aus! Die Annahme, dass sich dadurch mehr Straftaten ereignen, stimmt nicht. Räuber lassen sich eher durch Alarmanlagen, Wachhunde und Sperren abhalten als durch Licht.

 

Für uns in Mitteleuropa nicht so nachvollziehbar, ist die Gefahr für Meerestiere. Ein

herausragendes Beispiel sind die Meeresschildkröten, die ja besonders vom Vollmond

angezogen werden, um zu laichen. Sie werden durch Standbeleuchtungen irritiert, kriechen über Straßen, werden von Autos überfahren. Ihre Jungen laufen in die falsche Richtung statt ins Meer. Es gibt Meeresbewohner, die durch Kunstlicht zu verschiedenen Zeiten geschlechtsreif werden und dadurch keine oder zu wenige Partner finden.

 

Durch die Beleuchtung von fließenden Gewässern, Kanälen, Flüssen oder Gewässern in der Stadt, werden die Nahrungstiere von Fröschen und Fischen eher ans Ufer gezogen, wo sie von anderen Tieren, wie Fledermäusen gefangen werden, während die ursprünglichen Fresser nichts mehr oder weniger finden. Man sollte nicht vergessen, dass diese Systeme zwar nur 0,8 % der Erdoberfläche ausmachen, aber 10 % aller Tierarten - das sind 125.000 verschiedene Arten - beherbergen. Obwohl die Lichterforschung noch am

Anfang steht, ist klar, dass ein Umdenken stattfinden muss. Über die Art der Beleuchtungskörper und darüber, dass es in der Nacht viel mehr großflächigere Abschaltungen geben sollte, wenn wir nicht eine Vielzahl von unseren Tieren verlieren

wollen.

 

Und der Mensch? Der ist schon schlafgestört und von vielen Krankheiten heimgesucht, die es früher gar nicht gegeben hat. Hoffentlich nicht so sehr, dass er die Zeichen der Zeit nicht erkennt. Da mag es auch kein Trost sein, dass depressive Patienten in Kliniken an der

Ostseite im Durchschnitt nach 20 Tagen entlassen werden, während die an der Westseite 23,5 Tage bleiben müssen.

 

Aus: Mitteilungsheft 90/2017

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