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Fußgesundheit von Anfang an

Vielen (nicht nur) Kinderfüßen ist die digitale Welt näher als die eigenen gefühlten Füßen oder deren Erleben!


In meiner füssiotherapeutischen Praxis beobachte ich regelmäßig, dass Kinder und Jugendliche motorisch und sensitiv unterfordert, aber kognitiv „vollgestopft“ sind.


Viele Jugendliche können ohne Zuhilfenahme der Hände nicht mehr vom Boden aufstehen oder sich die Schnürriemen ihrer Schuhe im Stehen zubinden (Die ischiokrurale Muskulatur wird durch das viele Sitzen viel zu kurz, mangelnde Beckenbeweglichkeit ist die Folge). Die meisten Kinder haben nicht fühlen gelernt, was ihnen gut tut und sie wach und lebendig hält, sondern führen das aus, was andere von ihnen wollen….


Die eigenen Füße im derzeitigen mitteleuropäischen Raum gesund zu erhalten ist aber auch nicht einfach. Sich in Wald und Wiesen zu bewegen, scheint kaum mehr eine Freizeitoption zu sein?!


Der „homo sedens“ sitzende Mensch (Dr. Larsen) ist vorherrschend. Diese Haltungsmonotonie wirkt sich nicht nur auf den Halteapparat (der ein Bewegungsapparat wäre) negativ aus: Auch den Füßen fehlt es an „Spürinformation“ (Prof. Perfetti). Ein sehenswertes Positivbeispiel ist das Hunderwasserhaus in Wien mit seinen unebenen Böden und schiefen Ebenen. Parkett, Asphalt, Beton und andere unnachgiebige Böden machen die natürliche Verbindung zur Erde nicht unmittelbar erlebbar.


Kennen Sie das gute Gefühl im Wald auf wohltemperiertes Moos zu treten, das durch ihre Fußbelastung sanft Richtung Erdzentrum einsinkt? Diese und ähnliche Gangmomente fördern die Fußwachheit in jedem Alter. Oft kennen wir nur noch das Negativbeispiel, wenn der Schuh (im wahrsten Sinne) drückt, weil er den Zehen nicht genügend Platz lässt. Manchmal geht es um Ästhetik auf Kosten der Füße. Ist Ästhetik wichtiger als Passform?


Gehen wir mit unseren Kinder noch barfuß auf unebenem Boden? Richard Louv sprach 2005 vom „Natur-Defizit-Syndrom“.

Nicht nur die Kinderfüße werden oft durch monotones Schuhwerk lange im selben „Schuhzuhause eingesperrt“. Folglich werden die Fußrezeptoren und kurzen Fußmuskeln wenig aktiv gefordert, der

Gleichgewichtssinn (Innenohr) und unsere Wurzeln (und somit auch verknüpfendes ganzheitliches Denken) wenig spielerisch trainiert.


Der ersten Sinn, der uns mit der Umwelt (im wahrsten Sinne) unserer Eltern in Berührung bringt, ist der Tastsinn über unsere große Hautoberfläche.


Eine gute Fußentwicklung beginnt mit einer natürlichen Bewegungsentwicklung im Kleinkindalter. Die ersten Schuhe sind nur Schutz, wenn das Kind sich selbständig auf die Füße stellt (weiche Ledersohlen damit alle Informationen zwischen Bodenbeschaffenheit und Menschenkinderfüßen ausgetauscht werden können).


Damit Kinderfüße unbeschwert ihrer physiologischen Bestimmung entgegenwachsen können, sollten die Vorbilder ihren eigenen Fußumgang überdenken. Der Ganzkörperumgang der Eltern mit sich selbst ist meiner Meinung dabei nicht zu unterschätzen: Sind die Füße nur ein in der Regel unbeachtetes mechanisches Vehikel (außer bei Schmerz, Stein im Schuh oder Blasen), das den Kopf spazieren trägt?


In weiterer Folge spielt der achtsame Körperbezug der Mutter zu sich selbst eine nicht unbedeutende Rolle. Das Saugen und Stillen ist eine wesentliche Basis für eine gute Wirbelsäulen- und in weiterer Folge gut vorbereitete Fußausrichtung.


Achtsame Berührung und Zuwendung von Fuß bis Kopf lässt Babys ihre Außengrenzen erfahren. Sie benötigen viele unterschiedliche sinnliche Inputs, um ihre neuronalen Netzwerke zu stimulieren. Eine Möglichkeit im Alltag wären Fußkosespiele beim Wickeln.


Lust am Entdecken und BeGREIFen ist die spielerische Form des individuellen Lernens. Psychophysisch ist es eine essentielle Erfahrung für das Baby selbstbestimmt seinen Körper kennen zu lernen. Diese Ganzkörpererfahrung ist die grundlegende Voraussetzung für eine gesunde Fußentwicklung!


Kinder, die immer wieder ohne eigene Bewegungsimpulse aufgesetzt werden, können selbstbestimmtes Handeln nicht üben. Das passiv in die Senkrechte gebrachte Kind („wie ein Kartoffelsack“ - in sich zusammengekauert hängend) kann die aktiv innere Ausrichtung zwischen Kopf und Becken schwerer spielerisch finden!


Der dem Körper innewohnende Geist möchte im Alltag mit Herz, Augen, Händen und allen Sinnen später mit dem ganzen Körper bis zu den baren Füßen entdeckt werden. Neugier und innere Motivation lassen die Kinder immer wieder ihren nächsten Schritt machen.


Wir sollten uns fragen, wie sehr wir durch Vermeidung, Angst und Overprotection die Hirnentwicklung im Sinne des vernetzten Lernens (Sprouting) hemmen. Kinder haben das Recht auf Herumtollen - mit altersentsprechenden Herausforderungen zu experimentieren beispielsweise in Pfützen steigen.


Weiters trägt zur positiven Entwicklung des Kleinkindes bei, wenn es sich selbst aus der Horizontalen immer wieder gegen die Schwerkraft variantenreich erproben kann. Fallen und selbst Wiederaufstehen darf früh geübt werden und wird in unserm letzten Lebensabschnitt als Sturzprophylaxe wieder an Bedeutung gewinnen.


Sitzende Schlafpositionen in Kindersicherheitsschalen über längere Zeiträume sind diesbezügliche Negativbeispiele! Flaches Schlafen ist haltungsgesünder.


Begegnungen im Kinderreich: Wir Erwachsenen sollten den Kinder auch unten am Boden begegnen – immer wieder auch auf deren Augenhöhe kommen (positive Nebenwirkung für Erwachsene: Coxarthroseprophylaxe und Beweglichkeitsförderung gleich inkludiert!).


In meiner Praxis sehe ich viele Fußprobleme, die durch altersgerechtes Kind-entwickeln-lassen vermeidbar wären. Lauf „lern“ wagerl verdienen in diesem Zusammenhang ihren Namen nicht! Genauso wie auch überehrgeizige Elternhände verhindern können, dass das Kind zur passenden Zeit seinen eigenen Schwerpunkt finden kann.


Selbständiges Hocharbeiten der kleinen Erdenbürger lässt die Fußknochenkerne passend mitreifen – Kinder lassen sich intuitiv wieder auf den Po fallen, wenn es nicht mehr stimmt. Das ist gelebte Physik! Zu frühes Auf-die Füße-Stellen verhindert eine physiologische Bewegungsentwicklung!


Der Calcaneus richtet sich erst um das sechste Lebensjahr oder bis zum ersten Zahnwechsel vollständig auf! Konsequenterweise ist eine Schuheinlage vor diesem Alter beim nicht neurologisch auffälligen Kind zu überdenken. Das Os Naviculare (sowie alle anderen Knochen) findet erst in diesem Alter bis zur vollen Beckenaufrichtung seine physiologische Position im Ganzkörperzusammenspiel.


Unebenheiten und natürliche Bodenbeschaffenheiten geben viel Reizinformation, die den restlichen Körper im Gehen wach im Moment aktiv reagieren lässt!


Die rein künstliche Welt der Innenräume lässt Kinder propriozeptiv unterfordert sein. Andererseits werden sie durch verschiedenste „Geräte an der Steckdose"„ (wie auch die Erwachsenen oft wenig in der Natur sind) kortikal eindimensional gefordert.


Das Nervensystem braucht etwa bis zum zwölften Lebensjahr um propriozeptiv voll ausgereift zu sein. Folglich sollten die Schuhe der Heranwachsenden bis zu diesem Alter auf ihre Größe (mindestens halbjährlich auch Schulhausschuhe!) überprüft werden. Der Schuh soll um einen Zentimeter länger als der Fuß sein. Es soll eine ausreichende Stoßdämpfung von der Sohle zum Boden und vom Fuß zur Sohle stattfinden können.


Zusammenfassung:

Für eine gesunde Fußentwicklung ist eine selbstbestimmte Haltungs- und Bewegungsentwicklung in einer natürlichen Umgebung Voraussetzung.


Die Fußhaltung und -beweglichkeit ist nur ein Ausdruck der vorher abgelaufenen Ganzkörperentwicklung. Meist sind also die Füße der peripherste Ausdruck einer langen Entwicklungskette.


Bei Unklarheiten könnten Kinderphysiotherapeuten mit Spiraldynamik Zusatzausbildung kompetente Ansprechpartner sein.

nackte Kinderfuesse im Sand

WOHIN soll es mit unseren Kindern gehen?


Physiotherapiepraxis Monika

Mörzinger-Wunderer

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